3. Mai 2026
Wer bin ich als Führungskraft –und was kostet mich diese Rolle persönlich?
Von Hans-Jürgen Dörrich, Bonn
Diese Frage taucht selten offen auf. Und doch begegnet sie vielen Führungskräften – oft spät am Abend, nach einem langen Tag, wenn der Lärm verstummt. „Ich funktioniere.“
„Ich trage Verantwortung.“ „Ich werde gebraucht.“ Und gleichzeitig: „So wie bisher fühlt es sich nicht mehr stimmig an.“
Wenn die Rolle größer wird als der Mensch
Führung verlangt heute mehr als Entscheidungen und Ergebnisse. Sie verlangt Präsenz, Orientierung, emotionale Stabilität – und oft auch Sinnstiftung.
Viele Führungskräfte wachsen in diese Rolle hinein. Und merken erst nach Jahren, dass sie sich dabei Stück für Stück von sich selbst entfernen:
- eigene Grenzen werden übergangen,
- Werte relativiert,
- Erschöpfung wird normalisiert.
Nach außen wirkt das souverän. Nach innen wird es still.
Die leise Frage hinter der Leistung
Es geht dann nicht um weniger Verantwortung. Es geht um die richtige Art von Verantwortung. Nicht: „Wie halte ich das noch länger aus?“ Sondern:
- „Was darf ich verändern, damit ich mich in dieser Rolle nicht verliere?“
- „Wer bin ich – jenseits meiner Funktion?“
Diese Fragen sind unbequem. Aber sie sind oft der Beginn von Klarheit.
Reife Führung beginnt innen
Führung gewinnt an Tiefe, wenn:
- Identität und Rolle wieder unterscheidbar werden,
- Leistung nicht mehr alleiniger Maßstab für Wert ist,
- Entscheidungen an innerer Haltung rückgebunden bleiben.
Das macht Führung nicht leichter. Aber tragfähiger – für andere und für sich selbst. Vielleicht ist auch genau diese innere Klärung heute keine private Nebenfrage mehr, sondern eine der zentralen Führungsaufgaben unserer Zeit.
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